r/de_EDV • u/Maleficent-Row-8016 • Dec 22 '25
Programmieren Haben wir uns in der Softwareentwicklung verrannt?
Titel vermutlich etwas drastisch, geht aber in die Richtung eines Gedanken, den ich in letzter Zeit immer öfter habe.
Ich arbeite seit einigen Jahren an einer riesigen Codebase in C++, die über 20 Jahre alt ist. Dabei wurde immer nach "Stand der Technik" gearbeitet, die Art wie Code geschrieben ist, ist also sehr unterschiedlich.
Gerade, wenn ich Fehler suchen muss, fällt mir immer mehr auf, dass ich die alten Teile gar nicht schlecht und teilweise sogar besser finde.
In der Uni habe ich natürlich die ganzen neuen Trends gelernt. Dependecy Injection, Design Patterns, OOP, funktionale Ansätze usw. Der Alte Code setzt vieles davon unzureichend oder gar nicht um. Dafür fällt mir auf, dass er oftmals pragmatischer und lesbarer ist.
Das ganze merke ich nicht nur in der Arbeit, sondern auch in der Freizeit, wo ich viel an Open Source Software mitarbeite.
In älterem Code, wird oftmals bloß hingeschrieben, was getan werden soll. Loggen? Irgendwas per Netzwerk versenden? Etwas parsen? Alles in ein paar Zeilen erledigt. Heutzutage löst man solche einfachen Probleme zwecks Erweiterbarkeit mit zig Bibliotheken, Interfaces, Dependecy Injection, Visitor Pattern hier, Factory dort.
Klar macht es das irgendwo erweiterbar und flexibel. Zu 99% braucht man diese Flexibilität aber gar nicht, dafür dauert das Debuggen dann eine Stunde statt 5 Minuten.
Ich möchte jetzt nicht generalisieren, es gibt auch sehr gut verständlichen modernen Code. Trotzdem frage ich mich manchmal, ob bei uns nicht mittlerweile eine Mentalität vorherscht, wo eine "einfache Lösung gar nicht gut sein kann".